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Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau
Volume 56 (1932) page 412-413
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Ein neuer Rechenschieber für den Keramik
Von H. Klaus und Dr. W. Miehr
Wie mehrere Aufsätze in den Fachzeitschriften1) zeigten, ist man auch in keramischen Betrieben bestrebt, sich häufig wiederholende Rechenvorgänge (z.B. Schwindungsberechnungen, Berechnung von Modellen usw). zu vereinfachen und zu mechanisieren. Bisher wurde dies durch Anfertigung von Tabellen und durch zeichnerische Darstellung zu erreichen versucht, jedoch stellen diese Verfahren noch keine befriedigende Lösung dar, da sie immer noch zuviel Zeit und Arbeitsaufwand erfordern und sich dabei zu leicht Fehler einschleichen können.Es wird daher wohl allgemein interessieren wie mit Hilfe des nachstehend beschriebenen Keramik-Rechenschiebers (D.R.P.a) alle derartigen Aufgaben in kürzester Frist auf sehr einfache Weise gelöst werden können.
Der neue Rechenschieber enthält außer den normalen Skalen für Multiplikation, Division usw. noch die vier besonders für keramische Zwecke eingerichteten Skalen A1, A2, S1 und S2 (siehe Bild 1).

Bild 1
a) auf Skala S1 die Differenz der beiden Zahlen, ausgedrückt in Prozenten der größeren Zahl, Formel
| (a − b) a | ·100. |
| (a − b) b | ·100. |
Formel:
| ³√a − ³√b ³√a |
·100 (oder umgewandelt: (1 − ³√b/a) · 100); |
Formel:
| ³√b − ³√a ³√a |
· 100 (oder umgewandelt: (³√b/a − 1) · 100). |
Alle diese Formeln kommen bei keramischen Rechnungen häufig vor
Es würde zuviel Platz in Anspruch nehmen, wollte man nun alle Anwendungsmöglichkeiten des Keramik-Rechenschiebers hier aufführen; nur einige wenige seien herausgegriffen:
I. Ermittlung der Porosität P aus dem spezifischen Gewicht s und dem Raumgewicht r
| a) Formel: P = | (s − r) ·100 s | % |
II. Ermittlung der prozentuale Schwindung Sl aus der Länge des frisch geformten Körpers (l) = 13.5 cm und der Länge des gebrannten Körpers (lg) = 11.5 cm.
1. Schwindung, ausgedrückt in % der Formgroße l 2)
Formel:
| Sl | = | l − lg l | ·100% | ||
| = | 13.5 − 11.5 13.5 | ·100% | = 14.8% | ||
Sl = 14.8%
2. Schwindung, ausgedrückt in % der Brenngröße lg 3)
Formel:
| Sl' | = | l − lg lg | ·100% | ||
| = | 13.5 − 11.5 11.5 | ·100% | = 17.4% | ||
III. Die Schwindung Sl einer Masse ist in Prozenten der Formgröße angegeben: sie soll in Prozenten der Brenngröße ausgedrückt werden.
Sl sei 14.8%, gesucht is Sl'.
a) Formel:
| Sl' = | Sl · 100 100 − Sl |
= | 14.8 · 100 85.2 |
= 17.4% |
Umgekehrt kann natürlich auch Sl aus Sl' ermittelt werden; die Formel heißt dann:
| Sl | = | Sl' · 100 100 + Sl |
% |
IV. Aus der linearen Schwindung Sl (= 5.2%) soll die Volumschwindung Sv errechnet werden. Die Schwindung sei in Prozenten der Formgröße angegeben).
a) Formel:
| Sv | = | 3 Sl − | 3 Sl² 100 |
+ | Sl³ 100² |
|
| = | 3 · 5.2 − | 3 · 5.2² 100 |
+ | 5.2³ 100² |
||
| = 15.6 − 0.81 + 0.01 = 14.80% | ||||||
Sv = 14.8 %. (Bild 1)
Die beiden folgenden Beispiele beziehen sich auf die Untersuchung feuerfester Steine.
V. Ermittlung der Nachschwindung aus dem Raumgewicht des Körpers bei der Anlieferung (r0) und dem Raumgewicht des nachgebrannten Körpers (r1).
a) Die Formel lautet dann:
Lineare Nachschwindung NS = 100 (1 − ³√r0/r1) %
b) r1 wird auf der Hauptskala des Stabes aufgesucht und mit r0 auf der Zungenskala zur Deckung gebracht. Darauf wird abgelesen:
auf Skala S1: Volum-Nachschwindung,
auf Skala S2: Lineare Nachschwindung.
Für r0 = 1.61 und r1 = 1.89 ergibt sich NS = 5.2 % (Bild 1)
VI. Auf ähnliche Weise wird das prozentuale Nachwachsen aus dem Raumgewicht des Körpers im Anlieferungszustand (r0) und dem des nachgebrannten Körpers (r1) bestimmt.
a) Formel: Lineares Nachwachsen NW = 100 · (³√r0/r1 − 1) %
b) Man sucht r0 auf der Hauptskala des Stabes und r1 auf der Zungenskala auf, bringt beide zur Deckung und erhält
auf Skala A1: Volum-Nachwachsen
auf Skala A2: Lineares Nachwachsen
Für r0 = 1.96 und r1 = 1.67 ergibt sich NW = 5.5 % (Bild 1)
VII. Ermittlung des prozentualen Wassergehaltes:
1. in % der feuchten Masse.
2. in % der trockenen Masse.
Gewicht der feuchten Masse: Gf,
Gewicht der getrockneten Masse: Gt.
1. Formel:
| Gf − Gt Gf | ·100% |
| Gf − Gt Gt | ·100% |
1. auf Skala S1: Wassergehalt in % der feuchten Masse,
2. auf Skala A1: Wassergehalt in % der trockenen Masse.
VIII. Ermittlung der Größenmaße (l, l1, l2, usw.) von Formen aus den Scherbenmaßen (lg, lg1, lg2, usw.) and der Schwindung (Sl).
1. Die Schwindung ist in % der Formgröße angegeben.
Formel:
| 100 · lg 100 − Sl |
2. Die Schwindung ist in % der Brenngröße angegeben.
Formel:
| lg · (100 + Sl) 100 |
Von anderen Verwendungsarten seien erwähnt:
Ermittlung des Wasseraufnahmevermögens, des prozentualen Glühverlustes, der Maßhaltigkeit; Umrechnung von Analysen von roher auf gebrannte Substanz usw.
Alle diese Rechnungen erfordern nur eine Einstellung.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, können mit dem Keramikrechenschieber natürlich auch Multiplikationen und Divisionen ausgeführt werden, auch zum Quadrieren, Wurzelziehen und zur Ausführung logarithmischer Rechnungen ist er geeignet. Durch besondere Anordnung der betreffenden Skalen wird dabei die doppelte Genauigkeit gegenüber den üblichen Rechenschiebern erreicht.
Da es außerdem auf der Rückseite eine Tabelle die für den Keramiker wichtigsten Molekulargewichte enthält, so eignet er sich vor allem auch zur Berechnung von Glasuren, Fritten usw. aus Segerformeln sowie umgekehrt auch zur Berechnung der Segerformel aus den Versätzen.
Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, daß der vorstehend beschriebene „Keramik-Rechenschieber nach Klaus” bei seiner vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten für das Laboratorium und den Betrieb ein wichtiges Hilfsmittel darstellt.
Da jedem Rechenschieber eine ausführliche Anleitung und eine größere Anzahl von Rechnungsbeispielen beiliegt, sind besondere Vorkenntnisse nicht nötig.
Im Central-Laboratorium und Forschungsinstitut des Didier-Concerns, Stettin, wird der Keramik-Rechenschieber bereits seit Jahren angewandt; seine mannigfachen Vorteile haben uns bewogen, ihn auch der Allgemeinheit zu einem niedrigen Preis zugänglich zu machen. (Auskünfte und Alleinvertrieb durch obengenanntes Institut, Stettin, Postfach 51.)
Im übrigen wird auf die ausführliche Originalveröffentlichung in der „Keramischen Rundschau" Nr. 9, 40. Jhg. 1932 verwiesen.
1)
Keramische Rundschau Nr. 16, 1930;
Sprechsaal
Nr. 48 und 49, 1927
2) Formgröße = Größe des frisch geformten Körpers
3) Brenngröße = Größe des gebrannten Körpers